3. Dezember 2015

Die Klenger...



...und die Tannenzapfenbrecher Griesheims.
Heute werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, der aber nicht weniger interessant sein dürfte?






Sie waren in grobe Leinwand gekleidet.
 (Die Tannenzapfenbrecher, namentlich die Griesheims, die sich in größere und kleinere Genossenschaften in den Kiefernwaldungen zwischen Rhein, Main und Neckar vertheilten...)

Kleidung aus Wolle wäre bei der Besteigung der oft 100 Fuß hohen Bäume 
viel zu hinderlich gewesen.
Bei nasser, kalter Witterung schützte ein ausgetragener Soldatenmantel ihre Glieder 
und eine leichte Mütze bedeckte den Kopf.
An kernhaften Stiefeln oder Gamaschenschuhen waren Steigeisen angebracht.
In dieser Montur kletterten die "Tannenvögel", deren Kühn-, Gewandt- und Sicherheit 
es mit jedem Eichhörnchen aufnehmen und noch dazu mit den Spechten wetteifern konnte, 
pfeilschnell hinauf in die Kronen, bis in die schlank´sten Wipfel hinauf, 
mit kräftigen und weithin hörbaren Tritten.
Das Knicken der Zweige, an denen die Zapfen hingen, ließ weithin ihre emsige Arbeit erahnen.
Die geernteten Zapfen wurden in einem leinernen, über die Schulter geworfenen Sack gesammelt.
Zapfen, die mit bloßen Händen nicht erreichbar waren, wurden mit einer Stange,
die einen Zoll dick und acht bis zehn Fuß lang war, 
auch von den höchsten und schwankensten Zweigen heruntergeangelt.
  (Dieses Werkzeug wurde im Knopfloch getragen und war an einem Ende mit einem Haken versehen)
War der Sack mit harzduftenden Tannenzapfen gefüllt, dann kletterten die fleißigen Arbeiter 
genauso schnell und sicher wieder von ihrem luftigen Throne auf die Erde herab 
und wärmten sich bei Bedarf am wärmenden Feuer oder sie setzten ihre Arbeit 
bis zur hereinbrechenden Abenddämmerung fort.


... so in etwa liest sich der Artikel aus "Die Gartenlaube," 
(hier zum einfacheren Lesen etwas abgeändert)
einem Vorläufer der Illustrierten aus dem Jahre 1867.
Schau mal rein, dort kannst du auch eine Geschichte über den Griesheimer "Kukuk" lesen!



Und wer waren die Klenger?

Hier wieder ein Auszug aus dem obigen Link:

Das Wort „Kleng“ kommt von klingen; ausklengen bedeutet in der forstwissenschaftlichen Sprache, die Nadelholzsamen durch Wärme und nachfolgendes Dreschen aus den Zapfen bringen, 
klingend herausspringen machen. 
Wenn man das Ohr an die geschlossenen Räume in der Fabrik legt, 
worin auf Horden die Samenzapfen der Nadelhölzer eingeschlossen sind, 
so könnte man beinahe sagen, daß sich bei der Geschwindigkeit
und den Veränderungen der Dichtigkeit der Wärme, durch die sich die Samenkapseln 
unter verschiedenen Klängen öffnen, eine „eigenthümliche Musik“ hören lasse. 
Keller’s Anstalt befaßt sich hauptsächlich mit dem Ausklengen von Kiefern-, Fichten- und Lärchenzapfen. 
Diese werden im Herbste und Winter von dem weniger bemittelten Theile der Landbevölkerung, namentlich Griesheims, in den umfangreichen Nadelholzwaldungen gebrochen
 und zum Verkaufe in die Fabrik gebracht. Zu diesem Zwecke beschäftigt dieselbe 
während der Wintermonate bei einer vollkommenen Ernte nahezu eintausend Menschen, 
welche sich über das ganze Großherzogthum Hessen und einen Theil der angrenzenden Länder verbreiten und dabei einen willkommenen und lohnenden Verdienst finden.


Ja, viele Klenger und Tannenzapfenbrecher,
 hat es hier im Ort/Stadt, in der Vergangenheit gegeben, als der Samenhandel florierte.
 Wie das "Klengen" im einzelnen funktionierte, auch das ist im obigen Link aus Wikisource nachzulesen.





Ganz bestimmt sind diese flinken "Tannenvögel"
auch in den Kiefern der "Griesheimer Düne" unterwegs gewesen?





 Genau genommen, müssten die hiesigen Baumkletterer, 
  nicht eigentlich "Kiefernzapfenbrecher" heißen?




Wenn die Angaben dieses Hinweisschildes stimmen...
(was ich nicht bezweifle) 





Dann sind diese Kiefern an die 200 Jahre alt... 





Das heißt, sie sind zur Zeit 
als mit dem hiesigen Wirtschaftszweig noch das tägliche Brot verdient wurde...






... sagen wir im Jahr1880, in etwa 100-130 Jahre alt gewesen? 





Egal, ein abenteuerlicher Broterwerb war das auf jeden Fall!






Dies ist die Halle der Firma Nungesser am Bahnhof in Griesheim, im Jahre 1910.





Hier werfen wir noch einen Blick in die alte Reinigungshalle, 
der Firma Nungesser (1880).
(Beide Fotos stammen aus dem Jubiläumskalender, anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt Griesheim )





Ich gehe davon aus, das es in früheren Zeiten,
einen viel größeren und umfangreicheren Baumbestand 
in dieser Region gegeben haben muß
Zur heutigen Zeit, würde die "Samenausbeute
egal von welchen Nadelbäumen auch immer,  
wohl eher kläglich ausfallen!



 Sommer 2015

Schön anzuschauen sind die hiesigen "Geotypen" aber trotzdem. 





Für den Nachwuchs wurde im Jahr 2007 ebenfalls gesorgt...





...und meistens mit Erfolg!




Das ist die Blüte der hiesigen Waldkiefer.


Möge sie auch in kommenden Jahrzehnten... 
ach, was sage ich... "Jahrhunderten" noch ihre Früchte tragen!




http://zaunblicke.blogspot.de/2015/12/dezember-galerie-fur-alle-guckloch.html
  

Der heutige Beitrag ist verlinkt mit dem "Guckloch in die Vergangenheit."

Klick dich rein!

*
 
Auch hier beim DND-Naturdonnerstag, kannst du bei "Jutta" noch viele schöne Beiträge sehen! "Klick"


Und natürlich sollte dieser Post auch unbedingt 
mit dem Projekt "Mein Freund der Baum" verlinkt sein. "Hier"


Ein kleiner Nachtrag.
Der Spruch meiner Mutter ist mir eingefallen,
wenn sie Menschen sah, die ihr unangenehm auffielen:


Hurngenischt un´ Danneppelsleit,
Schandammevolk un´ Zores!

Ich versuche das ein wenig zu übersetzen:

Hurennester und Tannenäpfelsleute,
Gendarmerievolk und anderes schlechtes Gesindel!

(Mag sich nun jeder selber seinen Reim darauf machen)

*

 

Kommentare:

  1. Das ist ja wirklich ein lehrreicher Beitrag diesmal.
    Gekonnt mit schönen Fotos ausgeschmückt, das gefällt mir sehr !
    Da muss ich mir mal Muse nehmen um den gesamten Text zu lesen.
    Liebe Susi Zaunwicke,
    schön, dass du in diesem Jahr zu einer treuen Teilnehmerin des
    " Natur-Donnerstag " geworden bist.
    Dafür ganz ♥lichen Dank.
    Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder :-)
    Liebe Grüße von mir

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  2. Historisches lässt immer wieder staunen. Sehr lehrreicher Beitrag mit interessanten Fotos.
    Das Sommerbild und der Kieferzapfen sind wunderschön.
    War heute auch im Wald und habe Äste mit Tannzapfen gefunden.
    L G Pia

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  3. Ganz ganz toll und sowas von interessant. Kurioserweise habe ich erst letzt einen Kurzbericht eines Zapfensammlers im TV gesehen, und mit dem Sack wird ja heute noch so gemacht. Schon irre wie die so einfach die Bäume hochkraxeln können, und vor allem bei Wind und Wetter denn deren Zeit ist ja auch teilweise schon begrenzt. Bin echt begeistert von deinem Post und danke dir auch für diese viele Info sowie die ganzen Fotos. Ich finde Zapfen auch sehr schön, immer eine schöne Dekoidee, gerade auch zur jetzigen Weihnachtszeit.

    Schliesse mich deinen Abschlussworten an, mögen sie diese Chance noch lange haben, und sende dir ganz herzliche Grüssle

    N☼va (nächste Woche bei mir eine Legende)

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  4. Da gibt es in Brandenburg schon lange so unendlich viele Kiefern, aber von Zapfensammlern habe ich hier noch nie gehört. Das "Kleng" kenne ich aus den ersten warmen Frühlingstagen, wenn sich die Zapfen an den Bäumen öffnen..., eine willkommene Frühjahrsmelodie. Die Naturverjüngung von Kiefern klappt hier - dank weniger Kaninchen - noch ganz gut. Die Rehe verbeißen zwar auch, nehmen aber lieber die Laubbäumchen... Jetzt muss ich erst mal schauen, wo denn die Griesheimer Düne überhaupt liegt... Ein sehr informativer Beitrag, liebe Heidi! Herzlich grüßt Ghislana

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  5. Bei uns werden in den Wäldern auch noch Zapfen gesammelt, aber nur von gesunden und großen Bäumen. Man versucht das Erbgut auszuwerten um möglichst resistente Sorte gegen Trockenheit und sauren Regen nachzuzüchten.
    Ein wirklich interessanter Beitrag.

    Liebe Grüße
    Arti

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  6. Ohooo, wieder etwas gelernt. Ob es hier bei uns Zapfensammler gibt? Wäre aber mal Wert meinen Forsdirektorchef zu fragen. Das hätte ich am Sonntag machen können, aber ich ruf den einfach mal an.

    Toller Beitrag vielen Dank.

    Lieben Gruß Eva

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  7. Ein sehr interessanter Artikel, kann man sich heute kaum vorstellen, "Tannenzapfenzupfen" - so etwas habe ich bisher nur in einem scherzhaften Lied aus dem Radio gehört ;)

    Was es doch so alles gegeben hat und teilweise noch gibt, wirklich spannend :)

    Liebe Grüße und ein schönes Adventwochenende
    Björn :)

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  8. Ein schöner Beitrag und wundervolle Fotos. Das mit der Blüte der Waldkiefer gefällt mir besonders gut. Ich habe so eine noch nie gesehen.
    Liebe Grüße, ZamJu

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  9. ein wirklich schöner post, da hast du dir viel arbeit gemacht und die fotos sind auch wieder klasse. bei tannenzapfen bin ich sowoeso hellhörig, ich liebe tannenzapfen, sind wir unterwegs und ich sehe irgendwo hübsche liegen müssen sie mit, wenn sie zu hause trocknen, aufgehen und groß werden finde ich das wunderbar... ich schmücke im advent gerne und viel mit zapfen, die verschiedenen formen sind einfach schön :-). ich wünsche dir weiterhin einen schöne adventszeit, liebe grüße aus dem norden, mandy die hummelellli

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